Gedenken an Anschlag in Halle: Studenten versperren AfD-Politiker Tillschneider Weg
Am Jahrestag des antisemitischen Anschlags auf die Synagoge in Halle in Sachsen-Anhalt haben mehrere Studenten dem neuen AfD-Landtagsvizepräsidenten Hans-Thomas Tillschneider den Zugang zum Gedenken in dem jüdischen Gotteshaus versperrt. Wie ein Sprecher der Polizei in Halle sagte, bildeten 13 Mitglieder einer Studentenverbindung am Freitag eine Art Menschenkette vor der Synagoge und machten ihm deutlich, dass er unerwünscht sei. Tillschneider habe daraufhin auf eine Teilnahme verzichtet und sei gegangen.
Der Rechtsextremist Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur das jüdische Gotteshaus in Halle zu stürmen und die dort versammelten 52 Gemeindemitglieder zu töten. Das scheiterte an der gesicherten Eingangstür und Ladehemmungen seiner selbstgebauten Waffen. Unmittelbar danach erschoss der Attentäter in der Stadt eine Passantin auf der Straße und einen jungen Mann in einem Dönerimbiss.
2020 wurde der Täter wegen zweifachen Mordes und dutzendfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht anschließende Sicherungsverwahrung an.
Am Freitag gab es in Halle wie jedes Jahr zum Jahrestag des Anschlags zahlreiche Gedenkveranstaltungen. Tillschneider kritisierte im Nachgang die Studenten. "Dass ich in pöbelhafter Weise daran gehindert und dabei noch als Nazi beschimpft wurde, verdeutlicht, wie wenig Respekt diese Studenten vor der Volksvertretung haben", erklärte er.
Die Jüdische Studierendenunion (JSUD) erklärte hingegen unter anderem auf Facebook: "Wir lassen unser Gedenken nicht von Rechtsextremen kapern. Sie sind es, die den Boden für einen solchen Anschlag bereitet haben, indem sie die Grenzen des Sagbaren immer weiter verschoben haben."
Mit Tobias Rausch war am Dienstag in Magdeburg erstmals in Deutschland ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines Landtags gewählt worden, nachdem die Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit Abstand stärkste Kraft geworden war. Der Rechtsaußen-Politiker Tillschneider wurde zu einem seiner Stellvertreter gewählt. Beide erhielten auch Stimmen aus anderen Fraktionen, was vor allem innerhalb der CDU zu Debatten über abtrünnige Abgeordnete und Spaltungstendenzen führte.
M.Gonzalez--PI