Gewaltsame Schülerproteste in Frankreich weiten sich aus: Mehrere Brände
Die teils gewalttätigen Schülerproteste in Frankreich weiten sich aus: In Nantes kam es am Donnerstag zu einem größeren Brand in einer Schule, in Marseille wurden mehrere Busse in Brand gesetzt. Aus dem Pariser Vorort Saint-Denis wurden erneut gewaltsame Auseinandersetzungen gemeldet, bei denen Schüler Feuerwerkskörper zündeten und die Polizei Tränengas einsetzte. Vor Schulen in Lille, Brest und Straßburg wurden Mülleimer in Brand gesetzt.
Landesweit wurden nach Angaben einer Studierendengewerkschaft am Donnerstag auch rund zwei Dutzend Universitäten blockiert.
Premierminister Sébastien Lecornu berief für den Nachmittag eine Krisensitzung ein. "Wir erleben einen erheblichen Anstieg der Gewalt, Angriffe auf Einsatzkräfte, Sachbeschädigungen und Angriffe auf Einrichtungen", sagte Innenminister Laurent Nuñez.
Auslöser der in der vergangenen Woche begonnenen Proteste waren Forderungen, zahlreiche Missstände an den weiterführenden Schulen Frankreichs zu beenden. Dazu zählen baufällige Schulgebäude, Lehrermangel, fehlende Materialien und zu lange Schultage. Zudem brechen sich ein allgemeiner Unmut und eine Politikverdrossenheit Bahn.
Die Proteste sind auch bereits ein Wahlkampfthema: Mehrere Politiker der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI, Unbeugsames Frankreich) zeigten sich vor blockierten Schulen und machten sich die Forderungen von Schülern zu eigen.
Der Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, verteidigte seine Anwesenheit am Ort der Ausschreitungen. Dies zähle zu seinen Pflichten als Bürgermeister. Er forderte von den Behörden, "zur Ruhe aufzurufen". Dazu zähle es auch, der Polizei "klare Anweisungen" zu geben, sagte Bagayoko am Donnerstag dem Sender France Info. LFI-Parteichef Jean-Luc Mélenchon hatte der Regierung mit Blick auf das Vorgehen der Sicherheitskräfte "Repression" vorgeworfen.
Am Mittwoch waren 356 Schulen von den Protesten betroffen, 625 Menschen wurden festgenommen, 83 Polizisten und Gendarmen verletzt. Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben des Bildungsministeriums bislang 119 Schülerinnen, Schüler, Lehr- und Aufsichtskräfte verletzt.
J.Baker--PI